Dieser Ratgeber beantwortet die drei Fragen, die fast jeder Berliner stellt, wenn er nachts ein flinkes, braunes Insekt unter der Spüle verschwinden sieht: Welche Schabenart ist das? Wie erkenne ich, ob es wirklich ein Befall ist oder ein Einzeltier? Und: Ist das, was ich sehe, eine Schabe oder doch ein Käfer, ein Silberfisch oder eine andere Nymphe? Die Antworten darauf sind nicht beliebig — Schaben sind vom Umweltbundesamt und Robert Koch-Institut als Gesundheitsschädlinge eingestuft, und die Unterscheidung entscheidet darüber, welche Maßnahme nötig ist.

Berlin ist aus biologischer Sicht ein besonders günstiger Lebensraum für Schaben. Die hohe Gastronomiedichte in Kreuzberg, Neukölln und Mitte bietet ständige Nahrungsquellen. Gründerzeit-Altbauten mit geteilten Steigleitungen, Heizungsschächten und Rohrdurchführungen sind ideale Wanderwege zwischen Wohnungen. Und die Plattenbauten in Marzahn, Lichtenberg und Hellersdorf verfügen über zentrale Versorgungsschächte, über die sich ein einzelner Herd schnell auf ganze Aufgänge ausbreiten kann. Das macht Früherkennung zum entscheidenden Faktor.

Die folgenden Abschnitte fassen zusammen, was Sie brauchen, um einen Schaben-Verdacht sachlich einzuordnen — aufbauend auf Merkblättern des UBA, des RKI, des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg, des Gesundheitsamts Berlin-Mitte sowie Fachstudien zu Schabenallergenen (NCBI/PMC). Kammerjäger Hartmann arbeitet seit 1999 als IHK-zertifizierter Schädlingsbekämpfer in Berlin und hat diesen Ratgeber aus der Praxis zusammengestellt.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient ausschließlich der Erkennung und Einordnung. Bei einem akuten oder bestätigten Befall sollten Sie einen professionellen Schädlingsbekämpfer kontaktieren — Hausmittel und Supermarktsprays erreichen die Verstecke und Ootheken in Rohrdurchführungen, Sockelleisten und Geräterückwänden in der Regel nicht.

Kakerlake Nahaufnahme – Kakerlaken erkennen Berlin – Kammerjäger Hartmann
Amerikanische Schabe (Periplaneta americana): bis 40 mm, rotbraun mit gelbem Halsschild-Rand — eine der drei relevantesten Arten in Berlin.

1. Die 3 häufigsten Schabenarten in Berlin

In Mitteleuropa und speziell in Berlin sind drei Schabenarten für nahezu alle Befälle in Wohnungen, Gastronomie und öffentlichen Einrichtungen verantwortlich. Sie unterscheiden sich deutlich in Größe, Farbe, Vorliebe und Verhalten — und die richtige Identifikation ist der erste Schritt zu einer gezielten Bekämpfung.

Deutsche Schabe (Blattella germanica)

Die mit Abstand häufigste Art in Berliner Wohnungen. Sie liebt es feuchtwarm, bevorzugt rund 30 °C und lebt in unmittelbarer Nähe zu Nahrungsquellen in Küchen, Bädern, Gastronomiebetrieben und Krankenhäusern.

  • Größe: 10–15 mm
  • Farbe: gelbbraun
  • Merkmal: zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild (Pronotum)
  • Flug: Gleitflug möglich, kein echter Flug
  • Lebensraum: feuchtwarm (~30 °C), Küchen, Bäder, Gastronomie, Kliniken
  • Vermehrung: 150–200 Eier pro Weibchen, 3–4 Generationen pro Jahr bei 30 °C
  • Oothek: ca. 6 × 3 mm, hellbraun, bis zu 40 Eier
  • Berlin-Bezug: häufigste Art in Altbauten (Kreuzberg, Neukölln, Wedding) und Plattenbauten (Marzahn, Lichtenberg)

Orientalische Schabe (Blatta orientalis)

Die „Kellerschabe" — dunkler, plumper und flugunfähig. Sie bevorzugt kühlere, feuchte Standorte in Bodennähe und hält sich bevorzugt in Kellern, Heizungsräumen, Schächten und öffentlichen Sanitärbereichen auf.

  • Größe: Weibchen 22–30 mm, Männchen 21–25 mm
  • Farbe: dunkelbraun bis schwarz
  • Flug: beide Geschlechter flugunfähig
  • Lebensraum: feucht (≥60 % rel. Luftfeuchte), 20–29 °C, Bodennähe
  • Orte: Keller, Heizungsräume, Schächte, Altbau-Hinterhöfe, öffentliche Toiletten, Müllräume
  • Oothek: ca. 10 × 5 mm, rot- bis schwarzbraun, 16 Eier
  • Entwicklung: 9–10 Monate bei 30 °C, bis zu 18 Monate bei Zimmertemperatur
  • Berlin-Bezug: typisch für Altbauten mit feuchten Kellern, Hinterhöfen und offenen Abwasserverbindungen

Amerikanische Schabe (Periplaneta americana)

Die größte der drei relevanten Arten — beeindruckend in Größe und flugfähig. In Berlin tritt sie selten in Wohnungen auf, dafür häufiger in beheizten Gewerbeumgebungen wie Großbäckereien, Hallenbädern, Tropenhäusern und Hafenlagern.

  • Größe: 35–40 mm (größte der drei Arten)
  • Farbe: rotbraun mit gelbem Rand am Halsschild
  • Flug: flugfähig
  • Lebensraum: Tropenhäuser, Hallenbäder, Großbäckereien, Häfen; selten in Wohnungen
  • Überwinterung: nicht im Freiland Mitteleuropas
  • Oothek: ca. 8 × 5 mm; ein Weibchen legt 50–60 Ootheken → 450–700 Eier über die Lebenszeit
  • Berlin-Bezug: vor allem in beheizten Gewerbebauten und Versorgungseinrichtungen

Kurzer Hinweis — Braunbandschabe (Supella longipalpa): 10–12 mm, zwei helle Querstreifen über Flügel und Hinterleib, trockentolerant. Diese Art bevorzugt Möbel, Bilderrahmen und Elektronikgeräte in beheizten Räumen. Sie ist in Berlin bislang selten, aber durch Second-Hand-Möbel und Import-Elektronik langsam häufiger zu beobachten.

2. Acht eindeutige Anzeichen eines Schabenbefalls

Schaben sind streng dämmerungs- und nachtaktiv. Die meisten Betroffenen sehen die Tiere selbst nie — der Befall wird zuerst an indirekten Spuren erkannt. Die folgenden acht Anzeichen sind die in der Fachliteratur (UBA, Institut für Schädlingskunde, Landesgesundheitsämter) dokumentierten Befallsindikatoren.

1

Kotspuren

Dunkle Pünktchen von etwa 1 mm Durchmesser, die wie Kaffeesatz oder gemahlener Pfeffer aussehen. Typische Fundorte: Schubladenrückseiten, Ecken unter Spülen, hinter Kühlschränken, in Fußleistenritzen. Kotspuren sind eines der sichersten Frühindikatoren, weil sie auch bei geringer Tierzahl bereits erkennbar sind.

2

Häutungsreste (Exuvien)

Schaben-Nymphen häuten sich bis zum adulten Tier sechs- bis achtmal (die Orientalische Schabe siebenmal). Dabei hinterlassen sie dünne, durchsichtig-bräunliche Chitinhüllen in Verstecken und Laufwegen. Solche Exuvien in Ritzen oder hinter Sockelleisten belegen eine aktive, sich fortpflanzende Population.

3

Ootheken (Eikapseln)

Die bohnenförmigen Eikapseln sind artspezifisch: Deutsche Schabe ca. 6 × 3 mm, hellbraun, 30–40 Eier. Orientalische Schabe ca. 10 × 5 mm, rot- bis schwarzbraun, 16 Eier. Amerikanische Schabe ca. 8 × 5 mm, dunkelbraun, bis 16 Eier. Ootheken werden in warmen, geschützten Spalten nahe Nahrungsquellen abgelegt.

4

Süßlich-muffiger Geruch

Aggregationspheromone im Kot erzeugen bei stärkerem Befall einen charakteristisch süßlich-modrigen Geruch, der in Küchen, unter Spülen und in Versteckbereichen wahrnehmbar wird. Dieser Geruch ist kein Frühwarnsignal, sondern tritt bei bereits fortgeschrittenem Befall auf.

5

Lebende oder tote Tiere tagsüber

Eine Schabensichtung bei Tageslicht ist ein ernstzunehmendes Alarmsignal. Schaben verlassen ihre Verstecke normalerweise nur im Dunkeln. Wird ein Tier bei Tageslicht beobachtet, deutet das auf Überpopulation und Platzmangel in den Verstecken hin — die Gruppe wurde zu groß für das vorhandene Refugium.

6

Fraßspuren

Schaben sind opportunistische Allesfresser. Sie fressen Lebensmittel aller Art, aber auch Papier, Karton, Leder, Tapetenkleister, Seife und sogar Haare. Sichtbare Fraßspuren an Kartonverpackungen in Vorratsschränken oder an Seifenrändern im Bad sind ein klarer Hinweis.

7

Schmierspuren

Dunkle, fettig glänzende Streifen an regelmäßig genutzten Laufwegen — an Fußleisten, Türrahmen und besonders entlang von Rohrdurchführungen. Sie entstehen durch den Kontakt des schabenköpfigen Körperfetts mit glatten Oberflächen bei wiederholtem Laufen derselben Wege.

8

Nächtliche Raschelgeräusche

Bei starkem Befall lassen sich feine Raschel- oder Klicklaute hören, wenn Schaben in der Nacht über Papier, Karton oder Plastik laufen. Diese akustischen Hinweise treten meist erst bei fortgeschrittenen Populationen auf und sind in ruhigen Wohnungen bei Lichtabschaltung deutlich wahrnehmbar.

Kakerlakenbefall in Berliner Küche – typische Verstecke unter Spüle – Kammerjäger Hartmann
Typischer Versteckort der Deutschen Schabe: unter der Spüle, hinter Rohren und in Ritzen. Kammerjäger Hartmann bei einem Einsatz in einer Berliner Altbau-Küche.

Abgrenzung — Schabenkot vs. Mäusekot: Das ist die häufigste Verwechslung in der Praxis. Schabenkot besteht aus runden, dunklen Pünktchen von etwa 1 mm Durchmesser (ähnlich gemahlenem Pfeffer). Mäusekot ist dagegen reiskornförmig, 3–8 mm lang, an den Enden spitz zulaufend und wird einzeln abgelegt. Findet man 1-mm-Pünktchen in Schubladen, Geräterückwänden oder Fußleisten — ist es Schabenkot. Findet man reiskornförmige Stücke entlang von Laufwegen oder in Vorratsschränken — ist es Mäusekot.

3. Nymphen vs. Silberfischchen — sichere Unterscheidung

Junge Schaben (Nymphen) werden besonders häufig mit Silberfischchen (Lepisma saccharina) verwechselt. Beide sind klein, lichtscheu und in feuchten Bereichen unterwegs. Die folgenden sechs Merkmale erlauben eine eindeutige Unterscheidung.

Merkmal Schabennymphe Silberfischchen
Körperform breit, oval, flach, deutlich segmentiert spindelförmig, fischartig, nach hinten verjüngt
Farbe hell- bis dunkelbraun, matt silbrig glänzend (feine Schuppen)
Größe (adult) 3–15 mm je nach Art & Stadium 7–12 mm
Fühler zwei lange, fadenförmige Fühler zwei Fühler + drei lange Schwanzanhänge hinten
Hinterleibsende glatt oder zwei kurze Cerci drei lange Schwanzborsten
Bewegung schnelles, ruckartiges Laufen wellenartig gleitend, „schwimmend" über den Boden

Eindeutiges Erkennungsmerkmal: Silberfischchen haben immer drei schwanzartige Anhänge am Hinterleibsende (zwei seitliche Cerci + ein mittleres Filum). Fehlen diese drei Fäden, handelt es sich nicht um ein Silberfischchen — sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Schabennymphe.

4. Gesundheitsrisiken (RKI / UBA)

Rechtliche Einordnung

Schaben sind in Deutschland als Gesundheitsschädlinge eingestuft — konkret nach § 2 Nr. 12 und § 18 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Das bedeutet: Sie können Krankheitserreger übertragen oder gesundheitliche Beeinträchtigungen verursachen, sodass ihre Bekämpfung nur mit Mitteln erfolgen darf, die das Umweltbundesamt (UBA) nach § 18 IfSG geprüft und in einer öffentlichen Liste geführter Mittel freigegeben hat. Dieses Regelwerk trennt die Schabenbekämpfung klar von der Bekämpfung reiner „Lästlinge" wie Obstfliegen.

Bakterielle Erreger (mechanische Übertragung)

Auf Schabenkörpern wurden in Studien rund 40 verschiedene Bakterienarten nachgewiesen, darunter für den Menschen pathogene Keime wie Salmonella spp., Escherichia coli, Staphylococcus aureus und Shigella spp. Die Übertragung erfolgt rein mechanisch: Schaben nehmen Keime in Kanalisation, Müllräumen und auf kontaminierten Oberflächen auf und tragen sie über Beine, Körper und Kot auf Lebensmittel, Geschirr und Küchenarbeitsflächen. Untersuchungen zeigen, dass Keime bis zu 72 Stunden an Schabenkörpern lebensfähig bleiben — ein Einzeltier, das nachts über eine Arbeitsplatte läuft, kann also noch Stunden später frische Kontamination hinterlassen.

Allergien und Asthma

Der wissenschaftlich am besten dokumentierte Gesundheitseffekt eines Schabenbefalls betrifft Allergien. Die Hauptallergene stammen aus der Deutschen Schabe und werden als Bla g 1 und Bla g 2 bezeichnet. Sie kommen in Kot, Häutungsresten und Körperteilen vor und reichern sich im Hausstaub an.

  • Bla g 2 gilt laut Fachliteratur (NCBI/PubMed) als 10- bis 100-mal potenter als vergleichbare Hausstaubmilben- und Katzenallergene.
  • Die Sensibilisierungsschwelle beginnt bereits bei etwa 2 U Bla g 1 pro Gramm Hausstaub.
  • Die Morbiditätsschwelle — also der Wert, ab dem klinische Symptome wahrscheinlich werden — liegt bei rund 8 U/g Hausstaub.
  • Schabenallergene sind ein anerkannter Risikofaktor für Asthma, besonders bei Kindern in dicht besiedelten städtischen Umgebungen — exakt das demografische Profil vieler Berliner Innenstadtbezirke.

Das bedeutet in der Praxis: Schon ein relativ kleiner, aber über Wochen aktiver Befall in einer Wohnung mit Kindern kann gesundheitliche Folgen haben, die weit über den bloßen Ekel hinausgehen. Das RKI führt Schabenallergene im Themenschwerpunkt Allergien ausdrücklich als relevanten Innenraum-Allergen-Quellort.

Quellen zu diesem Abschnitt: Umweltbundesamt — Biozid-Portal / Liste geprüfter Mittel nach § 18 IfSG · Robert Koch-Institut — Themenschwerpunkt Allergien · NCBI/PMC — Cockroach allergen Bla g 1 exposure assessment · NCBI/PMC — Bla g 2 potency thresholds · Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg — Schaben-Information (PDF). Die vollständigen Links finden Sie im Abschnitt Quellen am Ende dieser Seite.

5. Eintrittspfade in Berliner Wohnungen

Schaben gelangen nur in den seltensten Fällen durch offene Fenster oder Türen in eine Wohnung. Deutlich häufiger sind sie passive „Mitreisende" — sie kommen mit Lieferungen, gebrauchten Gegenständen oder über bauliche Verbindungen aus Nachbarwohnungen. Die folgenden sieben Eintrittspfade decken nahezu alle dokumentierten Fälle in Berliner Haushalten ab.

  • Lieferkartons und Obstkisten aus der Gastronomie: Deutsche Schaben nisten sich bevorzugt in warmen Kartonfalzen ein und reisen mit Lebensmittelanlieferungen in neue Gebäude.
  • Gebrauchte Elektronik: Kühlschränke, Mikrowellen, Kaffeemaschinen und vor allem Motherboards gebrauchter Computer bieten warme, dunkle Innenräume — ideale Brutplätze für die Deutsche Schabe.
  • Umzugskartons und Second-Hand-Möbel: Vor allem die Braunbandschabe lebt gerne in Möbeln, Bilderrahmen und Holzfugen. Flohmarkt- und Kleinanzeigen-Einkäufe sind ein unterschätztes Einfallstor.
  • Versorgungsschächte in Mehrfamilienhäusern: Deutsche Schaben wandern über Heizungs-, Warmwasser- und Abwassersteigleitungen zwischen Wohnungen. Ein einzelner Befall kann dadurch schnell mehrere Einheiten eines Hauses betreffen.
  • Müllräume und Müllabwurfschächte: Zentrale Müllplätze in Innenhöfen und Abwurfschächte in Hochhäusern sind ständige Nahrungsquellen und dienen als Rückzugsorte, von denen aus Tiere in benachbarte Wohnungen einwandern.
  • Kanalisation und Abflussrohre: Besonders die Orientalische Schabe nutzt offene Abwasserverbindungen und Siphons in Altbauten, um in Keller und Erdgeschosswohnungen zu gelangen.
  • Rohrdurchführungen und Kabelschächte: Ungedichtete Wand- und Deckendurchführungen an Heizungs-, Wasser- und Elektroleitungen sind die häufigsten innergebäudlichen Wanderwege.

Berlin-spezifische Begünstigungsfaktoren

Berlin ist aus mehreren Gründen ein überdurchschnittlich günstiger Lebensraum für Schaben. Die hohe Gastronomiedichte in Kreuzberg, Neukölln und Mitte sorgt für ständige Anlieferungen warenbezogener Befälle und dauerhafte Nahrungsquellen in Hinterhofküchen und Lieferketten. Die vielen Gründerzeit-Altbauten mit geteilten Steigleitungen, alten Rohrdurchführungen und ungedämmten Schächten erleichtern der Deutschen Schabe das Wandern zwischen Wohnungen eines Hauses. In den Plattenbauten in Marzahn, Lichtenberg und Hellersdorf wiederum sind die zentralen Versorgungsschächte ein typisches Ausbreitungsmerkmal — ein einzelner Herd in einer Wohnung kann über den Schacht ganze Aufgänge erreichen. Dicht bebaute Innenhöfe mit zentralen Müllplätzen runden das Bild ab.

Quellen zu diesem Abschnitt: Umweltbundesamt — Biozid-Portal Schädlingsratgeber · Institut für Schädlingskunde — Steckbriefe Deutsche/Orientalische/Amerikanische Schabe · Gesundheitsamt Berlin-Mitte — Schaben-Merkblatt (PDF).

6. Meldepflicht & Mietrecht in Berlin

Ein Schabenbefall ist in Berlin nicht nur ein hygienisches, sondern auch ein rechtliches Thema. Der folgende Abschnitt fasst die wichtigsten Punkte aus der Berliner Verordnung zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen, dem Infektionsschutzgesetz und dem Mietrecht nach BGB zusammen — als Orientierung, nicht als Rechtsberatung.

Meldepflicht in Berlin

Nach der Berliner Verordnung zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen sind Eigentümer, Hausverwaltungen, Mieter sowie Verantwortliche von Gemeinschaftseinrichtungen verpflichtet, einen Schabenbefall an das zuständige Gesundheitsamt des jeweiligen Berliner Bezirks zu melden. Die Meldung kann brieflich, per E-Mail oder telefonisch erfolgen und ist gebührenfrei. Sinnvollerweise enthält sie Ort und genaue Adresse des Befalls, Eigentümer oder Hausverwaltung, Ihre Kontaktdaten und — falls vorhanden — Fotos der Tiere, Kotspuren oder Ootheken. Das Gesundheitsamt entscheidet anschließend, ob weitere amtliche Schritte erforderlich sind.

Die offizielle Dienstleistungsseite des Landes Berlin zum Thema finden Sie unter service.berlin.de/dienstleistung/328343/ — Schädlingsbefall melden.

Rechtsgrundlagen

Die rechtliche Einordnung von Schaben als Gesundheitsschädlinge und die Regeln zur Bekämpfung ergeben sich aus:

  • § 17 Infektionsschutzgesetz (IfSG): Behördliche Befugnis und Pflicht zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen im öffentlichen Interesse.
  • § 18 IfSG: Verwendung geprüfter und vom Umweltbundesamt gelisteter Biozidprodukte; der Einsatz erfolgt in der Regel durch sachkundige Personen mit entsprechendem Nachweis.
  • SchädlBekV Berlin (Verordnung zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen): landesrechtliche Umsetzung mit konkreter Meldepflicht und Zuständigkeiten der Bezirksgesundheitsämter.

Mietrecht — wer trägt die Kosten?

Bei einem Schabenbefall in einer Mietwohnung ist die Verteilung der Verantwortlichkeiten durch das Bürgerliche Gesetzbuch klar geregelt — unabhängig davon, was einzelne Mietverträge formulieren.

  • § 535 Abs. 1 BGB — Pflicht des Vermieters: Der Vermieter muss die Wohnung in einem vertragsgemäßen, gebrauchstauglichen Zustand erhalten. Ein Schabenbefall gilt in der Rechtsprechung als Mangel der Mietsache — die Beseitigung ist grundsätzlich Aufgabe und auf Kosten des Vermieters.
  • § 536c BGB — Anzeigepflicht des Mieters: Der Mieter muss einen erkennbaren Mangel unverzüglich melden, andernfalls drohen Schadenersatzansprüche. Dokumentieren Sie den Befund daher mit Fotos und melden Sie ihn schriftlich (per E-Mail oder Brief mit Zugangsnachweis).
  • § 536 BGB — Mietminderung bei erheblichem Mangel: Je nach Umfang und Dauer eines bestätigten Befalls kann eine Mietminderung in Betracht kommen. Die konkrete Höhe hängt vom Einzelfall ab.

Vertragsklauseln, die die Kosten der Schädlingsbekämpfung pauschal dem Mieter auferlegen, sind nach ständiger Rechtsprechung in aller Regel unwirksam, weil sie den Mieter unangemessen benachteiligen. Eine Kostenübernahme durch den Mieter kommt nur dann in Betracht, wenn nachweislich nachgewiesen werden kann, dass der Mieter den Befall schuldhaft herbeigeführt hat — etwa durch grob unhygienische Zustände.

Disclaimer — keine Rechtsberatung: Dieser Abschnitt bietet eine rechtliche Orientierung auf Basis allgemein zugänglicher Gesetze und Rechtsprechung, ersetzt aber keine individuelle anwaltliche Beratung. Bei konkreten Streitfällen mit dem Vermieter wenden Sie sich bitte an einen Mietrechtsanwalt oder an den Berliner Mieterverein.

Quellen zu diesem Abschnitt: Service Berlin — Schädlingsbefall melden · Senatsverwaltung Berlin — Schädlingsbekämpfung · promietrecht.de — Kakerlaken/Schaben in Mietwohnung (§ 535, § 536c BGB) · Infektionsschutzgesetz §§ 17–18.

7. Was tun bei Verdacht? — 5 Schritte

Wenn eines oder mehrere der oben beschriebenen Anzeichen zutreffen, sollten Sie strukturiert und zügig vorgehen. Die folgenden fünf Schritte decken den Weg von der ersten Beobachtung bis zur professionellen Bekämpfung ab.

1

Dokumentieren

Fotografieren Sie jedes Tier, jede Kotspur und jede verdächtige Oothek — am besten mit einem Größenvergleich (etwa einer 1-Euro-Münze) und eingeblendetem Aufnahmedatum. Notieren Sie den Ort: Raum, Versteck, Uhrzeit. Diese Dokumentation ist später sowohl für die Kommunikation mit Vermieter und Gesundheitsamt als auch für die Diagnose des Kammerjägers Gold wert.

2

Klebefallen aufstellen

Platzieren Sie über Nacht Schaben-Klebefallen in Ecken, hinter dem Kühlschrank, unter der Spüle und entlang der Sockelleisten. Die Fallen sind im Baumarkt oder in Apotheken für etwa 5–10 € erhältlich. Nach ein bis zwei Nächten können Sie prüfen, welche Art (Deutsche, Orientalische, Braunbandschabe) vorliegt und wie stark der Befall ist — eine objektive Basis für alle weiteren Schritte.

3

Versteckbereiche untersuchen

Nehmen Sie Taschenlampe und Handspiegel zur Hand und kontrollieren Sie systematisch: Schubladen (innen & Rückseiten), Geräterückseiten von Kühlschrank und Backofen, Fußleistenritzen, Rohrdurchführungen unter der Spüle, Spülschrankböden, Zwischenräume hinter der Einbauküche und warme Ecken hinter Elektrogeräten. Dokumentieren Sie jeden Fund fotografisch.

4

Gesundheitsamt & Vermieter informieren

Bei einer Mietwohnung melden Sie den Befall schriftlich (E-Mail oder Brief) an den Vermieter oder die Hausverwaltung und hängen Ihre Fotos als Anlage an — das erfüllt die Anzeigepflicht nach § 536c BGB. Parallel informieren Sie das Gesundheitsamt Ihres Berliner Bezirks (service.berlin.de/dienstleistung/328343/). Die Meldung ist gebührenfrei.

5

Professionelle Schädlingsbekämpfung beauftragen

Eigenbekämpfung mit Supermarktsprays scheitert in der Praxis fast immer — die eigentlichen Verstecke und Ootheken hinter Geräten, in Sockelleisten und Rohrdurchführungen werden nicht erreicht, und wirkstofffreie Reste führen sogar zur Resistenzbildung. Ein Kammerjäger mit Sachkundenachweis nach § 18 IfSG arbeitet mit professionellen Gelködern und Wirkstoffen mit Nachwirkung, die auch die versteckten Stadien erreichen und die Population vollständig brechen.

8. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Die folgenden 15 Fragen decken die häufigsten Suchanfragen zum Thema Kakerlaken-Erkennen und Schabenbefall in Berlin ab. Alle Antworten basieren auf den in diesem Ratgeber verwendeten Quellen von UBA, RKI, Landesgesundheitsämtern, Institut für Schädlingskunde und der aktuellen Rechtslage in Berlin.

Wie erkennt man einen Kakerlakenbefall?

Kot (pfefferähnlich, ca. 1 mm), Häutungsreste, süßlich-muffiger Geruch, tote Tiere und Ootheken sind die fünf häufigsten Anzeichen. Tagsüber sichtbare Tiere weisen bereits auf einen starken Befall mit Überpopulation im Versteck hin.

Wie sieht eine Kakerlake aus?

Kakerlaken haben einen ovalen, flachen Körper, zwei lange fadenförmige Fühler und sechs kräftige Laufbeine. Je nach Art sind sie 10–40 mm groß und gelb- bis rotbraun oder schwarz.

Was ist der Unterschied zwischen Schabe und Kakerlake?

Es gibt keinen — „Schabe" ist der zoologische Begriff, „Kakerlake" die Umgangssprache. Beide bezeichnen dieselben Tiere aus der Ordnung Blattodea.

Wie unterscheidet man Kakerlake und Käfer?

Schaben haben lange, fadenförmige Fühler und einen flachen, weichen Körper. Käfer besitzen kürzere Fühler und harte Deckflügel (Elytren), die wie ein Panzer über dem Hinterleib liegen.

Wie sieht Kakerlakenkot aus?

Wie kleine schwarze Pünktchen von etwa 1 mm Durchmesser — ähnlich Kaffeesatz oder gemahlenem Pfeffer. Typische Fundorte: Schubladenrückseiten, hinter Kühlschränken und in Fußleistenritzen.

Woran erkennt man Deutsche Schaben?

An der Größe von 10–15 mm, der gelbbraunen Farbe und den beiden dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild (Pronotum). Es ist die mit Abstand häufigste Art in Berliner Wohnungen.

Woran erkennt man Amerikanische Schaben?

An ihrer Größe von 35–40 mm, der rotbraunen Farbe und dem charakteristischen gelben Rand am Halsschild. Sie ist die größte Schabenart in Deutschland und zudem flugfähig.

Wie sehen junge Kakerlaken (Nymphen) aus?

Nymphen sind verkleinerte, flügellose Versionen der Adulten, anfangs hell bis durchsichtig-weiß, später dunkelbraun bis schwarz. Sie werden oft mit Silberfischchen verwechselt — Silberfische haben aber immer drei Schwanzborsten.

Wie riecht ein Kakerlakenbefall?

Süßlich-muffig und modrig. Der Geruch entsteht durch Aggregationspheromone im Kot und ist bei stärkerem Befall im Versteckbereich penetrant wahrnehmbar.

Wo verstecken sich Kakerlaken tagsüber?

Hinter Kühlschrank, Herd, Spülmaschine, in Ritzen von Fußleisten, unter der Spüle, in Elektrogeräten und feuchtwarmen Rohrdurchführungen. Sie bevorzugen dunkle, warme und feuchte Nischen.

Wie sehen Kakerlaken-Eier (Ootheken) aus?

Bohnenförmige Kapseln: Deutsche Schabe 6 × 3 mm (30–40 Eier), Orientalische 10 × 5 mm (16 Eier), Amerikanische 8 × 5 mm. Die Farbe reicht von hellbraun über rotbraun bis dunkelbraun.

Sind Kakerlaken nachtaktiv?

Ja, Kakerlaken sind streng dämmerungs- und nachtaktiv. Eine Sichtung bei Tageslicht deutet auf einen starken Befall mit Überpopulation und Platzmangel im Versteck hin.

Kann man einzelne Kakerlaken haben?

Sehr selten. Da Schaben in Aggregationen (Gruppen) leben, deutet eine einzelne Sichtung fast immer auf mindestens 20–200 weitere, versteckte Tiere hin.

Welche Krankheiten übertragen Kakerlaken?

Mechanisch übertragene Erreger umfassen Salmonellen, E. coli, Staphylokokken und Shigellen. Laut UBA und Landesgesundheitsämtern gelten Schaben als Gesundheitsschädlinge nach § 2 Nr. 12 IfSG; zusätzlich sind ihre Allergene ein anerkannter Asthma-Risikofaktor.

Muss ich Kakerlaken in Berlin melden?

Ja. Nach der Berliner Verordnung zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen sind Eigentümer, Hausverwaltungen und Mieter verpflichtet, Schabenbefall an das Gesundheitsamt des Bezirks zu melden — die Meldung ist gebührenfrei.

9. Quellen

Alle fachlichen Aussagen dieses Ratgebers stützen sich auf die folgenden offiziellen und wissenschaftlichen Quellen. Externe Links öffnen in einem neuen Tab.

  1. Umweltbundesamt (UBA) — Biozid-Portal Schädlingsratgeber: Steckbriefe, Bekämpfungshinweise und rechtlicher Rahmen für Schaben — umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/schaedlinge/schaben (Zugriff: 02.04.2026)
  2. Umweltbundesamt — Liste geprüfter Mittel nach § 18 IfSG: Offizielle Übersicht der für Schabenbekämpfung zugelassenen Biozidprodukte (PDF, Stand November 2025) — umweltbundesamt.de — Liste nach § 18 IfSG (Zugriff: 02.04.2026)
  3. Robert Koch-Institut (RKI) — Themenschwerpunkt Allergien: Einordnung von Schabenallergenen als relevanter Innenraum-Allergen-Quellort — rki.de — Themenschwerpunkt Allergien (Zugriff: 02.04.2026)
  4. Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg: Informationsblatt zu Schaben — Arten, Biologie und Bekämpfung (PDF) — gesundheitsamt-bw.de — Schaben (Zugriff: 02.04.2026)
  5. Gesundheitsamt Berlin-Mitte — Schaben-Merkblatt: Bezirkliches Infoblatt mit Meldehinweisen (PDF) — berlin.de/ba-mitte — Gesundheitsamt (Zugriff: 02.04.2026)
  6. Service Berlin — Schädlingsbefall melden: Offizielle Dienstleistungsseite des Landes Berlin zur Meldung von Schabenbefall — service.berlin.de/dienstleistung/328343/ (Zugriff: 02.04.2026)
  7. Senatsverwaltung Berlin — Schädlingsbekämpfung: Rechtliche Einordnung, Zuständigkeiten und Verordnungen im Land Berlin — berlin.de/sen/gesundheit — Schädlingsbekämpfung (Zugriff: 02.04.2026)
  8. Institut für Schädlingskunde — Schaben-Steckbriefe: Biologische Steckbriefe zu Deutscher, Orientalischer, Amerikanischer und Braunbandschabe — schaedlingskunde.de — Steckbriefe Schaben (Zugriff: 02.04.2026)
  9. NCBI / PubMed Central — Cockroach allergen Bla g 1 exposure assessment: Wissenschaftliche Studie zu Sensibilisierungs- und Morbiditätsschwellen — pmc.ncbi.nlm.nih.gov — Bla g 1 exposure (Zugriff: 02.04.2026)
  10. NCBI / PubMed Central — Bla g 2 potency thresholds: Studie zur 10- bis 100-fach höheren Potenz von Bla g 2 gegenüber Hausstaubmilben- und Katzenallergenen — pmc.ncbi.nlm.nih.gov — Bla g 2 potency (Zugriff: 02.04.2026)
  11. promietrecht.de — Kakerlaken und Schaben in der Mietwohnung: Kommentierte Rechtslage zu § 535, § 536 und § 536c BGB bei Schabenbefall — promietrecht.de — Kakerlaken in der Mietwohnung (Zugriff: 02.04.2026)

10. Kostenlose Erstberatung

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Wenn Sie eines der in diesem Ratgeber beschriebenen Anzeichen in Ihrer Wohnung gefunden haben, rufen Sie uns gerne an — wir helfen telefonisch bei der Einordnung und kommen bei Bedarf zur professionellen Inspektion vor Ort. Mit über 25 Jahren Erfahrung als IHK-zertifizierter Kammerjäger in Berlin erkennen wir die Art, schätzen den Befallsumfang realistisch ein und empfehlen den passenden Bekämpfungsweg — diskret und zuverlässig.

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